Herbstzeit – Hagebuttenzeit

Wie kommt eigentlich jemand dazu, jedes Jahr wieder in mühevoller Kleinarbeit einige Nachmittage und Abende seines Leben damit zuzubringen, Hagebutten zu sammeln, zu halbieren und mit dem Stielende eines Teelöffels sorgfältig die kleinen Kernchen herauszukratzen?

Das Jucken der Hände und Arme in Kauf zu nehmen, welches erst beim ausgiebigen Herauswaschen der noch anhaftenden feinen Härchen aus den ausgekratzten Hagebuttenhälften wieder nachlässt?

Nur um am Ende ein paar kleine Gläschen süß- saurer Hundsrosen als Beigabe zu Käsebrot oder kurzangebratenem Fleisch im Vorrat zu haben?

Zugegeben, lecker sind sie. Für meinen Geschmack sogar sehr lecker. Trotzdem hätte ich vor ein paar Jahren jeden für verrückt erklärt, der sich so etwas antut… freiwillig!

Hagebutten in Arbeit

Angefangen hat alles mit einem Buch. Dem Kochbuch des guten Lebens von Helen Nearing. Darin beschreibt sie die Herstellung von Hagebuttenmus, welches sie für Suppen nutzt. Doch damals erschien mir das mühevolle Auskratzen der dünnen Hundsrosen nicht sehr attraktiv.

Ein anderes Rezept dagegen, der „Feentrank“ schien einfach,schnell und ohne allzu großen Aufwand herzustellen. Ein Schnapsgläschen am Morgen sollte den Vitamin-C-Gehalt des ganzen Tages decken. Dieses Rezept habe ich sofort ausprobiert und von da an jedes Jahr mit wachsender Begeisterung wiederholt. Beim ersten Kosten nach einigen Wochen war der Geschmack noch sehr mild. Doch umso länger der Feentrank reifte, desto intensiver und leckerer wurde er. Ohne zu verderben, kann er auch einmal 2- 3 Jahre alt werden und schmeckt mir dann besonders gut.

Die Gläser im Ofen bei 120° erhitzen. Jedes Glas zu einem Drittel mit kochendem Wasser einfüllen, ein Metallmesser im Glas verhindert das Springen. Einen guten Esslöffel Honig dazugeben und auflösen. 1,5 Tassen (Kaffeepott) mit halbierten Hagebutten dazugeben (Kerne können drin bleiben). Glas bis zum Rand mit kochendem Wasser auffüllen und dicht verschließen.

Allein der Geschmack war es aber nicht, der meine Begeisterung für das Verarbeiten von Hagebutten jeder Art geweckt hat. Und auch nicht der besonders hohe Gehalt an Vitamin C, der sich natürlich hervorragend auf meine Gesundheit in der kalten Jahreszeit auswirkt.

Es war dieses leuchtende Orange- Rot, das in der Herbstsonne strahlte. Eine Farbe, die mir gute Laune macht, besonders an trüben Tagen.

Die frische Luft und die Bewegung beim Sammeln. Irgendetwas in mir hat sich da wohl an den uralten Sammeltrieb erinnert, der noch in jedem von uns steckt und heute mehr mit Briefmarken, Bierdeckeln und Gartenzwergen ausgelebt wird.

Das fast meditative, monotone Zerschneiden und Verarbeiten, bei dem mir oft die besten Ideen kommen.

Das schöne, selten gewordene Erlebnis, wenn man jemanden findet, der sich dazusetzt, mitmacht, erzählt oder aus einem Buch vorliest.

Dieses Gefühl, etwas Sinnvolles zu Tun. Zu ernten, zu verarbeiten und später zu genießen. Alle Schritte aus eigener Hand.

Und die Zufriedenheit beim Anblick der fertigen Gläschen.

Inzwischen weiß ich längst, das ich für das Herstellen von Hagebuttenmus auch die flotte Lotte einsetzen kann, was Zeit spart und das Jucken auf ein Minimum reduziert. Doch die Süß- sauren erfordern nach wie vor den beschriebenen Aufwand.

Mir persönlich sind sie es wert.

Orange-Rot

Übrigens:

Ob Hundsrose, Kartoffelrose, Apfelrose, Mini- oder schwarze Hagebutte, alle können verwendet werden, keine ist giftig.

Lediglich geschmacklich unterscheiden sie sich etwas. Die Kartoffelrose füllt schneller die Gläser, ist aber etwas fader als die dünnere Hundsrose. Die Mini- Hagebutten dagegen noch aufwändiger, aber sehr intensiv im Geschmack.

Und wer jetzt vielleicht mit dem Gedanken spielt, es auch einmal mit den Hagebutten zu versuchen, der kann ja auf dem nächsten Herbstspaziergang mal eine weiche rote Kartoffel- oder Hundsrose anknabbern und sehen, was seine Geschmacksnerven davon halten…

Advertisements

6 responses to this post.

  1. und hier das Rezept für die Süßsauren: http://www.kochessenz.de/2011/09/sussaure-hagebutten/
    🙂

    Antwort

  2. Hi Martin,

    so eine „Hagebutten-Verrückte“ bin ich auch! Feines Hagebuttenmus für die nächsten Woche habe ich mir gekocht. Den Winter wird es bei mir nicht überstehen, gar zu köstlich ist der Geschmack…
    Danke für den Tipp mit dem Feenwasser, werd ich probieren!

    Grüße,
    Silke

    Antwort

  3. wie wird man eine fee liebe grüße elissa

    Antwort

    • Posted by Andrea on 20. Oktober 2011 at 10:50

      Vielleicht, wenn Du genug Feentrank getrunken hast. Obwohl, bei mir sind noch immer keine Flügel gewachsen nach all der Zeit.

      Herzliche Grüße

      Andrea

      Antwort

  4. Schön, dass ich Euren Blog entdeckt habe! Gefällt mir sehr, weiter so! Habe nun auch eingie Gläser Hagebutten-Marmelade und noch viel besser: Hagebutten-Chutney! Total lecker!

    Habe diesen Beitrag mal bei mir im Blog verlinkt:
    http://www.naturundfreiheit.de/wildpflanzen/hagebutten-rezepte-marmelade

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: