Die letzten Vogelbeeren

„Die sind doch giftig!“ ist ein oft gehörter Ausruf, wenn ich die Vogelbeere der Reihe der essbaren Wildnahrung zuordne. Stimmt – wenn man es schafft, 50 Kilogramm zu essen, kann es zu Verdauungsbeeinträchtigungen kommen. Ob das nun am Wirkstoff Parasorbinsäure liegt, der leicht abführend wirkt oder an den 50 Kilo Beeren, vermag ich nicht zu sagen…

Bitter sind sie allerdings, die kleinen Apfelfrüchte der Sorbus aucuparia. Wer kann, greift gleich zur mährischen Vogelbeere, deren Früchte sind dunkler, enthalten nicht die Parasorbinsäure und sind weniger bitter. So kann man sie schon roh ganz gut genießen. Marmelade kann man gut aus beiden machen, bei der regulären muss dann mehr Süßung dazu, damit die Bitterkeit verschwindet. Ich nehme gerne ein wenig Zimt dazu, das gibt nochmal ein besonderes Zusatzaroma.

Dieses Jahr war ein enormes Jahr für die Vogelbeere, ähnlich wie bei Schlehe und Weißdorn gibt es Früchte ohne Ende, die Zweige biegen sich bereits. Doch irgendwie verpasst man dann doch immer den richtigen Zeitpunkt zur Ernte…

In dieser Woche, am ersten richtigen Herbsttag, bin ich noch einmal fündig geworden. Auf dem Rückweg von einer Dienstreise, im platten Land zwischen Norden und Leer, strahlten plötzlich leuchtend rote Flecken aus den Bäumen an der Landstraße. Zum Glück fand ich noch einen Nebenweg in eine Siedlung, wo kaum Verkehr war und ich unbelastete Beeren einsammeln konnte. Schnell umgezogen, mit Krawatte und Anzug lässt es sich schlecht durchs Gebüsch streifen, und schon geht es los. Der erste Baum hat schon kaum noch eine gute Beere, alle schon überreif, aber ein paar Schritte weiter gibt es noch pralle Früchte. Seltsam, wie sich das von einem Baum zum Nachbarn unterscheidet…

Ich sammle also ein gutes Kilo der herben Früchte und freue mich wie ein König, dass es nun doch noch gedörrte Beeren gibt über den Winter. Im heimischen Dörrapparat sind sie schnell getrocknet, eingeschrumpelt und fast knusprig kommen sie daraus hervor. Die Büchse raschelt richtig wie getrocknete Hülsenfrüchte – mit dem vielen Vitamin C ein guter Wintervorrat! Ich esse sie einfach so, mische sie ins Müsli, oder gebe sie zu Früchtetee.

gedörrte Vogelbeeren

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