Vogelmiere bei Nacht

Früh wird es nun schon dunkel in diesem warmen November, so früh, dass ich nach getaner Arbeit schon gar nicht mehr richtig zum Kräutersammeln komme. Heute muss es sein, die Rote-Bete-Suppe ruft nach Vogelmiere! Also mache ich mich auf, mit Sammelkorb, Taschenlampe und Fotoausrüstung, denn so ein Nachtausflug will ja auch dokumentiert werden. Morgen ist Vollmond, das soll ja für die Kräuterernte ein besonderer Termin sein, weil dann bestimmte Energien in den Pflanzen besonders zum Vorschein kommen sollen. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass das Kräutersammeln bei Vollmond einfach praktischer war in alten Zeiten, immerhin hatte man keine Taschenlampe so wie ich jetzt beim Hinausstapfen in den dunklen Hof.

Vogelmiere bei Nacht

Erst nach einer Weile finde ich die immer grünen Ranken, das viele abfallende Laub hat die Wiese dicht bedeckt, so dass die üblichen Fundstellen nicht so leicht zu sehen sind. Wie schön, dass es diese Pflanze das ganze Jahr über gibt! So bekommt man auch im Winter immer noch etwas Frisches auf den Teller. Erstaunlicherweise ist die Pflanze meist einjährig – nur dank ihres schnellen Wachstums und der erstaunlichen Vermehrungskraft (über 10000 Samen kann eine Pflanze erzeugen) schafft sie es in ihrer kurzen Lebensdauer, einen bodendeckenden grünen Teppich von einiger Dichte hervorzubringen.

Wegen dieser Wuchskraft ist sie in den klassischen Gärten nicht so gerne gesehen. Dort nimmt man sie als wucherndes Unkraut wahr, ebenso wie im Ackerbau. Für uns ist sie eine willkommene Bereicherung als Brotbelag, in Salaten oder Suppen. Schon 50 g enthalten das Vitamin C für einen Tag. Aber Vorsicht, allzuviel ist wie oft ungesund, die stellaria media enthält Oxalsäure und Saponine, die nur in geringen Mengen genossen werden sollten.

Finden kann man die Pflanze überall, sie verbreitet sich überall in der Nähe menschlicher Ansiedlungen. Man erkennt sie leicht an den kleinen weißen Blüten mit den 5 geteilten Blättern, die fast wie 10 einzelne Blätter wirken. In milden Standorten blüht sie auch im Winter, so dass sie zweifelsfrei zu identifizieren ist. Auch der weiße Faden, der im Stängel beim Auseinanderziehen sichtbar wird, ist charakteristisch. „Hühnerdarm“ heißt die Pflanze deswegen auch uncharmant.

So, nun wird es klamm hier draußen im Dunkeln. Schnell zupfe ich ein paar Ausläufer ab für die abendliche Suppe und sammle meine Fotoausrüstung wieder ein. Die Taschenlampe leuchtet mir den Weg zurück zum Haus, ins Warme und Helle.

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One response to this post.

  1. Hallo Martin,

    dankeschön für den netten Bericht über Deinen abendlichen Ausflug! 🙂 Ja, der Tag hat mit der Zeitumstellung einfach zu wenige Lichtstunden. Der Beinahe-Vollmond war allerdings spektakulär. Ich war abends draußen beim Ansitz, und es war beinahe taghell.

    Vogelmiere erinnert mich immer an einen Wellensittich, den ich mal hatte. Eine Tierärztin hatte mir damals geraten, ihm Vogelmiere zu geben. Anscheinend auch ein gutes Vogelfutter, wie der Name schon vermuten lässt.

    Viele Grüße,
    Doris

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