Birnäpsel, Vogelleimholz und Druidenfuß …

… alles Namen für ein und dieselbe Pflanze, die gerade jetzt, nachdem die Laubbäume ihre Blätter abgeworfen haben, gut sichtbar wird. Gemeint ist die Mistel (Viscum album). Sie dringt mit ihren Wurzeln durch die Rinde ins Cambium, die Wachstumsschicht ihres Wirtsbaums ein und entzieht ihm Wasser und Nährstoffe, was sie zum Halbschmarotzer macht. Wieso eigentlich nur halb? Ganz einfach. Die Mistel ist in der Lage, mit ihren Blättern selbst Photosynthese zu betreiben und ist daher nicht voll von ihrem Wirt abhängig.

Das Fruchtfleisch der weißen, giftigen Mistelbeeren ist zäh und klebrig. Früher wurde daraus ein Leim gewonnen, mit dem man die Ruten zum Vogelfang bestrich. Heute noch benutzen wir für zähe Flüssigkeiten das Wort Viskosität, welches sich vom lateinischen Namen der Mistel abgeleitet.

Wer fleißiger Leser der Asterix-Bände ist, weiß, dass die Mistelbeeren in keinem Zaubertrank des Druiden Miraculix fehlen dürfen. Und tatsächlich haben die Priester der Kelten sie für viele ihrer Rituale genutzt. Jedoch ausschließlich die Eichenmisteln, die selten waren, aber als besonders zauberkräftig galten. Sie wurden mit goldenen Sicheln geschlagen und durften auf keinen Fall die Erde berühren, da sie dann ihre Kraft verloren und Unheil brachten.

Lange Zeit hatte die Mistel auch noch den Namen „Heil aller Welt“, da sie als Allheilmittel angesehen wurde. Und wirklich verfügt sie über vielfältige Wirkungsweisen. Heute wird sie hauptsächlich bei Bluthochdruck, Diabetes, Kopf- und Regelschmerzen eingesetzt, aber auch begleitend in der Krebstherapie.

Jetzt in der Weihnachtszeit werden Mistelzweige gerne über die Haustür gehängt. Wohl weniger, um Hexen und Unheil abzuwehren, wie zu früheren Zeiten. Vielmehr geht es heute um die dekorative Wirkung. Sollte jedoch einmal jemand mit dem oder der Liebsten unter einem Mistelzweig stehen, dann soll ein Kuss die Liebe stark und glücklich bleiben lassen. Und wer weiß, vielleicht funktioniert es ja wirklich…

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5 responses to this post.

  1. Posted by Doris on 9. Dezember 2011 at 22:59

    Hallo Andrea,

    dankeschön für diesen interessanten Beitrag. Ich wusste nicht, dass die Kelten nur Misteln von Eichen benutzt haben. Auf dem Weg zur Arbeit komme ich jeden Morgen an einer Eiche mit Misteln vorbei. Seit Deinem Artikel denke ich da jetzt immer an Asterix. 😉 Hier bei mir gibt es jede Menge Misteln, in Pappeln, Apfelbäumen und Eichen – ich finde das echt erstaunlich. Früher dachte ich immer, Misteln wären selten, aber das scheint ja gar nicht der Fall zu sein. So kann man sich täuschen …

    Liebe Grüße,
    Doris

  2. In Dorf nebenan gibt es einen Baum, der besteht nur aus Misteln. Den werde ich demnächst mal fotografieren. Der „Gast“ hat den „Wirt“ völlig ausgesaugt.

  3. Hallo Doris,

    mich würde mal interessieren, ob die in Massen zu Weihnachten verkauften Misteln alle aus Wildsammlung sind. Oder gibt es dafür schon „Zuchtplantagen“?

    Herzliche Grüße

    Andrea

    • Hi Andrea,

      das ist eine sehr gute Frage! In einem Dorfladen hier werden Misteln aus „Eigenanbau“, sprich von den eigenen Apfelbäumen, angeboten. Aber wie das in Gärtnereien ist – interessanter Aspekt. Da muss man doch mal nachfragen. Ich könnte mir schon vorstellen, dass man die Misteln irgendwie auf Bäume impfen kann. Der nächsten Gartenbaufachmensch wird gefragt. 🙂

      Viele Grüße,
      Doris

  4. Hallo Renate,

    das wär prima, wenn Du das Bild hier in den Blog stellen könntest.
    Ich hebe noch nie einen völlig von Misteln „ausgesaugten“ Baum gesehen.

    Bis dann!

    Andrea!

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