Was haben Wildpflanzen mit Feuerspuckern zu tun?

Wie ich vor einiger Zeit von einem mittelalterlichen Feuerspucker erfahren habe, benutzt er Bärlappsporen (Lycopodium), den Blütenstaub des Bärlapp- Mooses für seine Künste.

Feuerschlucker_burg_altena (Urheber Sebastian Becker (dr_john_becker) Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert.

Mikroskopisch betrachtet sind die Sporen rund. Dadurch sollen sie ein Fließverhalten wie Wasser haben, also gut in den Mund zu nehmen sein. Außerdem vermischen sie sich nicht mit der Spucke, sondern schwimmen obenauf und können so leicht wieder ausgespuckt werden.
Allergiker sollten den Blütenstaub allerdings nicht verwenden. Auch die Gefahr einer „Staublunge“ ist gegeben, bei unsachgemäßem Gebrauch. Also nicht für Jedermann zum Nachahmen empfohlen.

Das hat mich neugierig gemacht. Denn außer das ich wusste, das es eine Pflanze mit diesem Namen gibt, wusste ich rein gar nichts über sie. Also habe ich mich ein wenig schlau gemacht und noch ein paar interessante Dinge herausgefunden.
Bärlapp (Lycopodium clavatum) ist eine Pflanze, die im Gebirge bis 2000m, in Wäldern, Heide und Wiesen wächst. Sie hat kriechende Stengel, bis zu 2m lang mit moosartigen Blättchen. Doch sie gehört nicht zu den Moosen, sondern zur Familie der Bärlappgewächse (Lycopodiaceae).

LycopodiumClavatum. Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported lizenziert. Namensnennung: Christian Fischer

An kleinen, gegabelten und aufwärts gerichteten Ästchen wachsen die sog. Fruchtähren. Sie haben dachziegelartige Blättchen zwischen denen sich die Sporenbehälter befinden. Diese sind gefüllt mit feinem Sporenpulver, welches im Volksmund auch „Hexenpulver“ genannt wird.

Verwendung findet das Sporenpulver außer beim Feuer speien auch bei Hautkrankheiten und zum Pudern von Babypopos.
Außerdem wird das Kraut als Tee aufgegossen und z.B. bei Leberleiden eingesetzt, was jedoch umstritten ist.

Die Schwarzfußindianer sollen mit Bärlappsporen die unterschiedlichsten Verletzungen geheilt haben, von Nasenbluten bis zu Schnittverletzungen.

Der Kräuterpfarrer Johann Künzel empfahl Auflagen bei Waden- und Fußkrämpfen.

Ein Stück Bärlapp in der Hosentasche soll bei Rechtsstreitigkeiten zu einem guten Ausgang verhelfen.

Und Chester Carlson hat bei der ersten Fotokopie ohne Blaupausen 1938 Bärlappsporen als Toner verwendet.

Erstaunlich vielseitig nutzbar also diese Pflanze. Aber Vorsicht:
In Deutschland und Österreich steht der Bärlapp unter strengem Naturschutz.

Sonnige Wintergrüße von Andrea an Euch Alle!

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3 responses to this post.

  1. Hallo Andrea,

    das ist ja spannend. Ich hätte nicht gedacht, dass Bärlapp so vielseitig einsetzbar ist, unter anderem als Hilfsmittel beim Feuerspucken … krass! Ich kenne Bärlapp als Mittel aus der Homöopathie, wusste aber nicht, dass es auch so viele praktische Einsatzmöglichkeiten gibt und gegebe hat. Danke für diese bemerkenswerten Informationen.

    Liebe Grüße,
    Doris

  2. Posted by UM DrWi on 14. Dezember 2015 at 12:44

    Bärlapp-Sporen dienen beim Glocken-Guss auch als techn. Trenn-Mittel zwischen der tönernen vorher fein reliefierten Vor-Glocke der Form u.dem glühend hinzu-gefügten Bronze-Material, sogar so eine Hitze halten sie dann aus, “es macht, dass einem nichts anhaftet”

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