Im Wald und auf der Heide …

Allerorten ist vom Frühling die Rede, von sprießenden Pflänzchen und zaghaften Blüten, die aus dem vertrockneten Laub und letzten Schneeresten lugen. Da habe ich meinen nächsten Beinwell-Post noch einmal vertagt und möchte lieber von einem grünen Überraschungsfund erzählen. Es war irgendwann im Januar und kalt, aber sonnig. Die Moose zeigten ihr schönstes Grün und stachen so richtig hervor aus den grau-braunen Kältewüsten um sie herum. Zunächst habe ich die Pflanze auch für ein ebensolches Moos gehalten, aber irgendwas hat mich dann doch irritiert. Die Form, die zarten lila Blüten? Wahrscheinlich. Also runter auf den Waldboden und genauer hingeschaut. Das ist doch ein Heidekraut. Oder?! Ich weiß gar nicht, warum mich das Pflänzchen so aus dem Häuschen gebracht hat. Ich habe schon ewig keins mehr „in freier Wildbahn“ gesehen. Irgendwie verbinde ich Heidekraut automatisch mit Norddeutschland, aber doch nicht mit Bayern.

Alles Klischees, wie ich beim Nachlesen feststellen durfte, denn egal, ob Norden oder Süden: Das immergrüne Kraut ist in ganz Europa verbreitet und mag unter anderem kalkarme Böden, Moore und lichte Kiefernwälder. Es gilt als Säurezeiger. Die Gegend um den Fundort wird von den Einheimischen „Fuizn“ genannt, was soviel heißt wie „Moor“ – der Pflanzenführer hatte also Recht. Nun war guter Rat trotzdem teuer, denn die Familie der Heidekrautgewächse ist nicht gerade klein. Welche Heide hatte ich denn nun fotografiert?! Die Blätter sind ledrig-hard und schuppig-dachziegelartig angeordnet, die Blüten zeigen ein zartes Blasslila – das spricht für Calluna vulgaris, die Besenheide. Sie ist ein Zwergstrauch, der nach einer langen Entwicklungsphase verholzt und im Einzelfall bis zu 1 m hoch werden kann. Die Pflanze lebt in Symbiose mit einem bestimmten Pilz, der ihre Wurzeln mit Mikronährstoffen versorgt. Die „Blüten“ sind gar nicht die eigentlichen Blüten, sondern die Kelchblätter der Blüten.

Diese Kelchblätter bleiben lange erhalten und geben der Pflanze sehr lange ein dekoratives Aussehen, was man sich heutzutage in der Gärtnerei zunutze macht. Kaum eine Herbst- oder Winterbepflanzung kommt ohne Erika oder Heidekraut aus. Umso mehr habe ich mich gefreut, die schöne wilde Heide im Wald anzutreffen, einfach so, mitten auf dem Waldweg. Im Frühjahr und Sommer laben sich die Insekten und Bienen wieder an ihr. Ach ja, der Name „Besenheide“ leitet sich übrigens auch dem griechischen Gattungsnamen Calluna ab. Das griechische Wort kallynein heißt „reinigen, saubermachen“. Möglicherweise wurden früher aus dem Heidekraut Besen gebunden, und so kam dann der deutsche Name zustande.

Woran mag es liegen, dass die Heide in unserem Denken oft einen leicht romantischen Touch hat? Vielleicht an alten Volksliedern, Gedichten oder einfach an Heimatfilmen aus der Kindheit, wer weiß. Heute schließe ich einmal ganz untypisch mit einem Gedicht. Ich hoffe, es gefällt Euch und gibt Euch den Schwung für einen lächelnden Wochenstart. 🙂

Die Heide

Über die Heide im Sonnenstrahl
Lief ich als Bub viel hundertmal,
Meinen Drachen am drahtharten Stricke,
Lief mit rückwärts gewendetem Blicke
Glühend im jubelnden Bubenglücke.

Was die Heide nicht alles kann!
Komm‘ heut‘ zurück als aufrechter Mann:
Kaum, daß die Füße die Heide berühren,
Kaum, daß die Sohlen die Heide verspüren,
Fühl‘ ich den Buben den Mann verführen!

Stürm‘ schon, wie einst, übers Heideland,
Halt‘ einen Sonnenstrahl fest in der Hand;
Mag sich das Wölkchen noch so sperren
Und am knatternden Faden zerren,
O, ich zeig‘ meinem Drachen den Herren!

Und es folgt mir! Ich stürme dahin,
Jung, weil ich wieder zu Hause bin,
Jung und stark und nicht zu zähmen!
Wenn nur die andern Buben schon kämen!
Wagt’s nur, wagt’s mit mir aufzunehmen!

Hugo Salus

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2 responses to this post.

  1. Stimmt, Heide gibt es auch im Süden. Wir sind letztes Jahr im Februar in Bad Wurzach im Allgäu auch durch Heide am Moor gelaufen. Aber „richtige“ Heide gibt es natürlich wirklich nur in Norddeutschland 🙂

    Auch das Gedicht zielt wohl eher auf das weitläufige Gelände zwischen Hannover und Bremen, das unbedingt besuchenswert ist, wenn man mal die üblichen touristischen Schwerpunkte ignoriert….

    Liebe Grüße, trotz umzugsbedingter momentaner Funkstille!
    Martin

  2. Posted by Doris on 11. März 2012 at 19:09

    Hallo Martin,

    ich habe schon gelesen, dass Du im Umzug steckst. Da wünsche ich Dir Durchhaltevermögen und gute Nerven!
    Klar, in dem Gedicht gehts um „die“ Heide in Deutschland, eine wunderschöne Landschaft. Da wird das Herz weit! Aber mich bringt mein kleiner Fund schon zum Hüpfen. Ich weiß echt nicht wieso, aber ich habe mich riesig drüber gefreut.

    Liebe Grüße!
    Doris

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