Ein dekorativer Zaungast

Mittagspause. Schnell zum Einkaufszentrum und ein paar Besorgungen machen, dann schnell wieder zurück, den Kopf schon wieder halb in den Aufgaben, die am Nachmittag zu erledigen sind. Wie meist laufe ich am Firmengelände gegenüber entlang, dem mit dem neuen grünen Zaun. Doch plötzlich nehme ich etwas aus dem Augenwinkel war, das da vorher nicht war. Was ist das denn? Mal genauer hinschauen …

Ein Vorhang aus Zaunwinden! Wie cool ist das denn? Die Natur hilft sich mal wieder selber und begrünt alles, was sich begrünen lässt. Ich zücke mein Handy und fotografiere. Entgegenkommende Passanten gucken ein bisschen komisch, halten mich vielleicht für eine Industriespionin bei der Arbeit, aber das ist mir egal. Ich habe schon lange keine Zaunwinde mehr gesehen, jedenfalls nicht richtig bewussst – ein schöner Mittagspausenabschluss. Dabei ist das gar nicht so außergewöhnlich für die Ecke von München, in der ich arbeite, denn die ist eigentlich ziemlich grün und naturbelassen.

Calystegia sepium windet sich an Stützen wie Zäunen oder Bäumen in die Höhe, ähnlich wie es Stangenbohnen auch tun: Die Pflanzenspitze beschreibt in ungefähr 2 Stunden einen Kreis und sucht damit nach einer Unterlage zum Festhalten. Die Zaunwinde zählt zu den Linkswindern, weil sie sich gegen den Uhrzeigersinn in die Höhe rankt. Für Leute mit leichter Links-Rechts-Schwäche so wie mich ist so eine Information völlig sinnlos, aber ich dachte, ich erzähle es Euch trotzdem. 😉 Die Blätter haben eine schöne Herzform und sind sattgrün. Die Blüten sind einfarbig weiß und haben einen Durchmesser von ungefähr 5 cm.  Bei gutem Wetter sind sie in der Blütezeit von Juni bis Oktober Tag und Nacht geöffnet, denn die Bestäubung erfolgt meistens durch Nachtfalter. Zaunwinden verbreitet sich über Wurzelausläufer oder die eiförmigen Kapselsamen, die jeweils vier Samenkörner enthalten.

Gärtner finden diese Pionierpflanze häufig nervig, weil sie so ausdauernd wuchert und nur schwer in Schach zu halten ist. Ich dagegen finde es toll, dass der olle  Gitterzaun so dekorativ verhüllt wird. Die Natur ist eben der bessere Gärtner.

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2 responses to this post.

  1. Hallo Doris
    Ich muss dir zustimmen an solchen hässlichen Zäunen sieht die Winde sogar sehr elegant aus aber in meinem Acker hasse ich sie. Sie schlingt sich um meine Kartoffeln mit den Bohnen startet sie Wettrennen wer schneller wächst.
    Das mit links drehen muss ich mal beobachten, mein Hopfen will immer nach rechts.
    Bohnen muss ich nachschauen. Bei uns regnet es schon wieder
    Gruß Claudia

  2. Posted by Doris on 13. Juli 2012 at 22:03

    Hallo Claudia,
    aus Gärtnersicht kann ich Deine Abneigung gegen die Zaunwinde durchaus nachvollziehen. Inzwischen habe ich auch Zaunwinden gesehen, die sich an Brennesseln hochranken und sie dabei leicht würgen. In der Not darf man offensichtlich nicht wählerisch sein. 😉 Aber am Zaun sieht sie wirklich spektakulär aus. Es ist inzwischen ein richtiger Blütenvorhang geworden!

    Bei uns ist das Wetter auch alles andere als sommerlich. Kümmerlich, diese Gartensaison. Nur die Ringelblumen wachsen so richtig gut.

    Schönes Wochenende!
    Doris

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