An der Straße – Jakobskreuzkraut

Berufsbedingt bin ich oft und lange mit dem Auto unterwegs. Wenn man sich wie ich eine Weile mit wilden Gewächsen beschäftigt hat, geschieht die Pflanzenbestimmung plötzlich am besten „aus dem Augenwinkel“. Ich finde es phänomenal, wie wir aufgrund weniger, flüchtiger Muster in der Lage sind, kleine Kräuter am Straßenrand zu erkennen.

JKK an der A31

Eher leicht fällt das beim Jakobskreuzkraut. Es ist in manchen Gegenden, so z.B. in Nordwestniedersachsen an meiner Stammstrecke, zurzeit die optisch dominierende Wildwuchsform. Über etliche Kilometer ziehen sich sich die krautigen, bis zu einem Meter hohen Stängel mit dem chaakteristischen Blütenstrauß voller gelber Korbblüten.

JKK in voller Blüte

Das mindestens zweijährige Kraut ist eines der wenigen, das einen eigenen Verein hat – hier allerdings einen, der sich zum Ziel gemacht hat, das Gewächs zu bekämpfen und so weit wie es geht zu minimieren. Unsere gelbe krautige Staude ist nämlich leider ziemlich giftig. Die berüchtigten Pyrrolizidin-Alkaloide machen die Pflanze zu einem Leberkiller erster Güte, was viele sofort rot sehen läßt. Umgraben, ausgraben, abbrennen, chemische Keule – die ganze Bandbreite aus dem Vernichtungsarsenal wird gezogen. Ihr oder wir – so scheint manchmal das Motto bei Pflanzen, die sich nicht einfach mal „nutzen“ lassen wie wir es uns so vorstellen.

Der NABU beschwichtigt – natürlich ist die Pflanze vor allem für Pferde und Kühe in Mengen genossen tödlich giftig. Nur fressen die Tiere diese Pflanze gar nicht erst, wenn es genug anderes zu futtern gibt auf der Wiese. Bei Silage ist es schon schwieriger – die getrocknete Pflanze wird von den Tieren nicht erkannt. Daher muss hier die Wiese gepflegt werden. Auch das lässt sich machen – durch regelmäßiges Mähen wird der Bestand in Grenzen gehalten, JKK verträgt das nicht so gut.

Also alles halb so schlimm. Und wenn man sich mal dieser Pflanze zur jetzigen Jahreszeit nähert, ganz nahe, entdeckt man ganz schöne schwarz-gelbe Raupen des Jakobskrautbären, eines schwarz-dunkelroten Falters, die sich gezielt von den Kreuzkräutern ernähren und sich so ihren eigenen Fraßschutz einverleiben. Sie machen das so gründlich, dass die großen Pflanzenbestände oft nach einigen Jahren schon wieder verschwinden – die Weltherrschaft wird JKK also so schnell nicht übernehmen 😉

JKK und seine Gäste

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4 responses to this post.

  1. Danke für diesen interessanten Beitrag.
    Nun weiß ich mal, was mir unterwegs so gelbes blüht, bislang konnte ich dieses Kraut noch nicht zuordnen.
    Die vielen Raupen daran sehen Klasse aus und wie man sieht, sind sie in diesem Fall auch noch nützlich.
    Herzlichen Gruß Joona

  2. Diese Tigerentenraupen- guck mal auf meinen Bloglink. Da hast du auch gleich den passenden wunderhübschen Schmetterling dazu.
    Toll dein Blog. Ich werd mal weiter stöbern. Bin durch Joona auf dich gekommen.
    LG Heidi

  3. Posted by Doris on 4. August 2012 at 19:40

    Hallo Martin,

    das ist ja mal ein rasantes Foto! 😉 Mir geht es aber inzwischen auch so: Immer ein Augenwinkel am Straßenrand, in Gedanken in meiner Kräuterdatenbank blätternd … Aber so flotte Fotos wie Du mache ich (noch) nicht!
    Danke für diesen Beitrag. Jetzt habe ich auch eine Ahnung, was dieses gelb-blühende Kraut ist, dass man auch hierzulande sehr häufig am Straßenrand sehen kann. JKK ist aber doch in guter Gesellschaft, was die bösen Pyrrolizidin-Alkaloide angeht, oder? Da fällt mir doch gleich der Beinwell wieder ein. Aber ich bin beruhigt, dass die Tigerraupen-Armada sich zumindest bei Euch des Problems schon angenommen hat. Nur hoffentlich übernehmen die dann nicht die Weltherrschaft …

    Viele Grüße,
    Doris

  4. Ich bin auch immer wieder faziniert von mir, was ich so aus den Augenwinkeln registriere. Die Ausbildung hat uns schon sehr viel gegeben ….
    Eine treue Leserin 🙂

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