An der Straße – Mädesüß

Nicht jedes Pflanzenfoto entsteht bei mir verkehrswidrig-artistisch bei laufender Fahrt mit der Handykamera. Das folgende Bild gefällt mir, weil fast jeder, der es sieht, „oh, Holunder“ sagt – und damit leider der Blütenform auf den Leim gegangen ist.

Mädesüß-Blüten

Die fotogenen Blüten stammen in Wirklichkeit vom Mädesüß, das gerade -zumindest hier im feuchten Norden mit den vielen wasserführenden Straßengräben- reichlich blüht. Die krautige Pflanze mit den vielen doldenartigen Blütenständen macht ein ganz charakteristisches „Augenwinkelmuster“, beim schnellen Vorbeifahren assoziiere ich immer blühende Baumwollpflanzen.

Von nahem sind sie dann jedoch wirklich der Holunderblüte sehr ähnlich. Ganz anders Duft und Geschmack. Mandelartig bis marzipanig ist das süßliche Aroma, das man hervorragend für die Sirupgewinnung nutzen kann. Den habe ich letztes Jahr gemacht, und kann ihn nun gut zum Aromatisieren von Süßspeisen nutzen. Eine Mädesüß-Mousse (Blüten in Sahne einlegen und dann eine helle Mousse daraus machen) ist ein echter Gewinn für jedes Schleckermaul. Und nicht nur Sodbrennen soll die Pflanze verringern, auch eine andere Folge des ausufernden Genießens kann sie lindern – sie enthält viel Salicylsäure, so dass man sie eigentlich auch gegen Kopfweh einsetzen kann. Der frühere Gattungsname Spiraea stand so auch Pate für das „Spirin“ in Aspirin.

Wer die Pflanze sicher identifizieren will, kann sie auch an den stark geaderten Blättern mit der hellen Unterseite erkennen:

Mädesüß-Blätter

Alles in allem ein echter Gewinn in der Sommerkrautsammlung!

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4 responses to this post.

  1. Ich bin noch recht neu im Kräutersammeln und les gern bei euch auf dem Blog mit 😉 Mädesüß blüht bei uns auch gerade sehr viel. Das man daraus auch Sirup machen kann wusste ich nicht. Hast du den wie Holundersirup angesetzt? Das würde mich mal interessieren.

    Lg Ela

  2. Hallo Ela,

    ich mache den Sirup so: 1 Liter Wasser auf 1 kg Zucker, aufkochen, dann 1-2 handvoll Blüten rein, und 1 Tag ziehen lassen. Dann absieben/filtern, nochmal aufkochen, wenn man hat 25 g Zitronensäure rein. Fertig!

    Grüße!
    Martin

  3. Ich finde es hört sich immer so wenig an – 1-2 Hände voll Blüten. Aber ist ja beim Holunder auch ähnlich. Danke dafür, wenn ich noch dazu komme, werde ich das noch mal ausprobieren 😉

  4. Posted by Doris on 4. August 2012 at 19:41

    Ich habe letztes Jahr mal ein Gelee probiert, in dem Mädesüß drin war. Lecker! Dank Deiner Bestimmungsangaben laufe ich vielleicht beim nächsten Mal auch nicht mehr achtlos an der Pflanze vorbei. Danke, Martin. 🙂

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