Verstreut und gar nicht brach

Was ist das denn?! Eine Brachfläche, mitten im saftigen Grün? Hatte der Bauer keinen Bock zum Mähen oder was?

Streuwiese

Ja und nein. 😉 Es handelt sich um eine Streuwiese, die da so vertrocknet und – völlig untypisch – ungemäht mitten in den kurzgeschorenen Wiesen steht. Genau betrachtet ist es ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als die Landwirtschaft noch nicht so intensiv und raumgreifend war. Früher war es ganz normal, dass bestimmte Flächen nicht gemäht wurden, weil die Wiesen nass, sauer und für Maschinen schwer zugänglich waren. Das Vieh mochte die harten Gräser nicht, die natürlich auch kein gutes Heu ergeben hätten. Doch auch damals musste das Vieh im Winter trocken in den Stallungen stehen, nur wurde Getreide wurde noch nicht im großen Stil angebaut, weshalb es auch weniger Stroh gab als heute. Gewusst wie: Man mähte die sauren Wiesen mit den harten Gräsern und Schilfpflanzen erst im Herbst und nutzte die Mahd als Einstreu. Daher der Name „Streuwiese“, wie ich heute gelernt habe. Ich dachte immer, die heißen so, weil die Pflanzen vor dem Mähen absamen und die Samen verstreuen können. Ich bin nie wirklich auf die Idee gekommen, dass diese Flächen letztendlich auch Nutzflächen waren und das in Süddeutschland sogar bis in die 60er Jahre hinein.

Streuwiese_InfotafelHeute werden Streuwiesen meistens von Naturschutzverbänden gepflegt oder zumindest finanziert. Engagierte Menschen erhalten damit  Lebensräume für Pflanzen und Tiere, die in unserer „normalen“ Kulturlandschaft mit bis zu drei oder vier Mahden pro Jahr nicht überleben können. Spätblüher wie zum Beispiel verschiedene Knabenkräuter (Orchideen!) brauchen solche Standorte, weil sie sich sonst nicht vermehren können. Brachvogel, Kiebitz und viele Schmetterlingsarten trifft man kaum noch an, aber in den Streuwiesen finden sie Schutz und Nahrung für ihre Nachkommenschaft. Im Herbst sieht das Ganze etwas tot aus, ist es aber nicht: Die Samen fürs nächste Jahr liegen schon im  dem Boden, ebenso wie viele verpuppte Raupen.

Viele ehemalige Streuwiesen sind  in der Vergangenheit drainiert worden und heute nicht mehr als solche zu erkennen. Die Zeit kann man nicht mehr zurückdrehen, aber es ist gut, dass sie in manchen Landschaften ein bisschen stehenbleiben darf.

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19 responses to this post.

  1. Posted by Christiane on 4. Oktober 2013 at 12:06

    schön was Du da entdeckt hast und das auch alles so schön auf dem Schild erklärt wird.
    Liebe Grüße von Christiane und weiterhin alles Gute.

    • Hallo Christiane,

      danke Dir! Sag mal, gibt es solche oder ähnliche Flächen in NRW auch? Ich kann mich nicht erinnern, so etwas in RLP früher mal gesehen zu haben. Okay, die Streuwiesenwirtschaft ist schon etwas typischer für Süddeutschland, aber woanders gibts doch auch feuchte Wiesen, die man sonst für nix brauchen kann.

      Gespannte Grüße,
      Doris

      • Posted by Christiane on 5. Oktober 2013 at 14:38

        Liebe Doris, nein bewußt gibt es hier bei uns keine. Nur Streuobstwiesen sind in der Nähe in Wuppertal, Erkrath und auch Leichlingen. Und die Bürger können teilweise sogar ihr Fallobst aus dem Garten zum Entsaften an bestimmten Stellen jetzt im Herbst abgeben und bekommen dafür naturreinen Apfelsaft.
        Dir ein besonders schönes Wochenende – das Wetter meint es ja wirklich nicht so gut – mit Günter und Minnie.
        Wir waren gestern auf dem Leichlinger Obstmarkt der jedes Jahr am 1. Oktoberwochenenende stattfindet. Sehenswert und es gibt leckeres Obst etc. zu kaufen. Direkt vom Erzeuger.
        Ich schicke mal Bilder und einen Link.
        Liebe Grüße von Christiane.

  2. Hallo Doris, wieder etwas dazu gelernt 😉 Wollte erst nach oberflächlicher Betrachtung des Schildes sagen: Heh, und wo sind die Bilder von den Schönheiten? Trolle und Russen und so… 😉 – Dann hab ich das Schild genauer durch gelesen, und heraus gefunden, dass Du ja gar keine Bilder davon machen konntest 😦 Waren denn gar keine am Rand zu sehen davon? 😀

    Liebe Grüße und ein schönes, sonniges Wochenende (hier zieht es dunkel heran)
    Sigi

    • Hallo Sigi,
      meine Kamera ist nicht gut genug für Detailfotos und naja, das meiste ist ja jetzt ohnehin abgeblüht. Ha, Mädesüß gabs! ;-P Ansonsten waren es viele Schilfgräser. Vielleicht komme ich da noch mal vorbei demnächst, dann schaue ich noch einmal genauer. Ich habe aber noch was anderes Blühendes gefunden am Streuwiesenrand, über das ich demnächst bloggen werde…

      Liebe Grüße aus dem Süden, wo das Wetter auch wieder schlecht wird nach einem supersonnigen Feiertag!
      Doris

  3. Schön hast du das geschildert, Doris!
    Danke!
    Sabine

  4. Hat dies auf Garten – Träume und Räume rebloggt und kommentierte:
    Das habe ich auch noch nicht gewusst. Schön, dass Doris sich hiermit befasst hat!

    • War mir ein Vergnügen, Sabine. 🙂 Manchmal staune ich echt darüber, wie sehr man auf dem Schlauch stehen kann, was die deutsche Sprache angeht ;-).

  5. Wirklich ein interessanter Beitrag! Schade nur, dass diese Biotope immer rarer werden – selbiges gilt auch für die Streuobstwiese.

    • Hallo Annette,
      vielen Dank! Ja, es ist wirklich schade, was alles kaputt gemacht wird mit „Höher-Schneller-Weiter“. Bei mir in der Gegend in Südbayern findet auch zu den Streuobstwiesen eine Rückbesinnung statt, aber häufig geht geht das auch nur mit finanzieller Unterstützung von Naturschutzverbänden. Man versucht auf diese Weise, alte Obstsorten zu retten wie zum Beispiel Renette, Gravensteiner, oder Goldparmänen bei den Äpfeln. Viele kleine Bauernhöfe haben noch die eine oder andere Streuobstwiese, oft direkt vorm Haus. Für mich ist eine solche Wiese auch fester Bestand meiner Kindheitserinnerungen ;-). Die Bäume waren einfach da und wurden im Herbst beerntet, fertig. Da kam in guten Jahren einiges an Apfelsaft zusammen. Heute darf man ja nicht mehr ohne weiteres Obstbäume einfach fällen, sondern muss die betroffenen Bäume an anderer Stelle ersetzen, so viel ich weiß. Finde ich gut.

      Viele Grüße,
      Doris

      • Hallo Doris, sie sind auch Teil meiner Kindheit, da wir Tage damit zubrachten, um Äpfel für Saft zu sammeln. Schade, dass man das heute nicht mehr macht; es war irgendwie ein warmes Gefühl, wie die ganze Familie zusammen geerntet hat und klar, ein Picknick gab es auch. Vielleicht gibt es ja wirklich noch eine Besinnung auf das Wesentliche. Die EU subventioniert alles mögliche, oftmals zum Schaden für Tiere und Landschaft. Liebe Grüsse

      • Hallo Annette,
        ja, genau, so kenne ich das auch: Es wurde ein Kipper unter den Baum gestellt und dann geschüttelt, was das Zeug hielt. Der Rest wurde dann aufgesammelt. Früher hat man das einfach gemacht – heute wäre so etwas schon ein „Event“. 😉 Nee, ich denke, man hat sich einfach mehr Zeit genommen für solche Arbeiten. Und hatte sie vielleicht auch …

        Herzliche Grüße,
        Doris

  6. Interessante Information, liebe Doris. So weiß auch ich nun, was eine Streuwiese ist. Danke!
    Liebe Grüße
    Renate
    P. S.: Renetten und Goldparmänen – köstliche Kindheitserinnerungen! Wir haben jeden Sommer Apfelbäume gepachtet und ich denke heute noch mit Wehmut an die saftigen, knackigen Früchte, frisch vom Baum. Sie entsprachen nicht der EU-Norm, aber ich habe die geliebt. Jeden Abend vorm Schlafengehen habe ich in einem Buch gelesen und ungefähr ein halbes Dutzend Äpfel verspeist. Mein Vater hat dann am nächsten Tag die Griebsche gezählt und sich immer wieder über meinen Appetit gewundert. 😉

    • Hallo Renate,
      ich habe vor ein paar Wochen einen rotbackigen Apfel frisch vom Baum … geklaut?… nee, ähm, gepflückt – war DER gut. So ein tolles Aroma hatte ich schon lange nicht mehr bei einem Apfel.
      Ich habe heute gelesen, dass ein österreichischer Zweig von REWE eine Marketingkampagne erwägt, mit der sie nicht 1A-Ware an den Kunden bringen wollen. Irgendwie Irrsinn, oder? Andererseits haben sie vermutlich recht – wenn es keine Werbung dafür gibt, taugts auch nichts, also wirds nicht gekauft. Das geht maximal in kleinen Hofläden, aber nicht im Supermarkt…

      Viele Grüße,
      Doris

  7. Hallo Doris
    Danke für diesen tollen Bericht, ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht woher der Begriff „Streu“ kommt. Es gab eine solche Wiese bei uns im Dorf aber seit ca. 10 Jahren weiden die Kühe sie ab und seither gibt es auch keine Trollblumen mehr .
    Viele Grüße
    Claudia

    • Hallo Claudia,
      Trollblumen mögen offensichtlich keine Rindviecher. 😉 Ich kenne Trollblumen von einer anderen Wiese mitten im Wald, die auch nur alle zwei Jahre gemäht wurde, um den Strauchbewuchs in Schach zu halten. Das war immer ein spektakuläres Frühlingsbild, wenn die Trollblumen geblüht haben.

      Viele Grüße,
      Doris

  8. Liebe Doris, zu meinem 12tel Blick schaue ich über eine solche Wiese. Aber die Nutzung scheint dort endgültig vergangen zu sein, weil für den Eigentümer „unattraktiv“, die Wiese verschilft und verbuscht, im nächsten Jahr werden manche Erlen schon übers Schilf gucken… Lieben Gruß ghislana

    • Hallo Ghislana,
      es ist schade, wenn so eine Fläche verbuscht. Das geht erstaunlich schnell, wenn man sie nicht regelmäßig mäht. Wir hatten mal eine Streuwiese in einem Jagdrevier, da bin ich in manchen Jahren mit der Astschere durch und habe Hasel- und Erlensträucher abgeschnitten. Mit der Hand ist das echt mühsam.

      Viele Grüße,
      Doris

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