Archive for the ‘Bäume’ Category

Mistelland

Das neue Jahr ist nun schon wieder ein paar Tage alt. Wie schnell das immer geht: Eben noch Weihnachts- und Silvesterglanz und spätestens ab morgen wieder normaler Alltag, jedenfalls für die meisten von uns. Steht Euer Christbaum noch oder habt Ihr schon „geKNUTet“? Früher behielt man den Christbaum bis zum Lichtmesstag am 2. Februar, aber das machen wahrscheinlich nur noch die wenigsten. Ab Lichtmess soll das Tageslicht gemäß einem alten Sprichwort übrigens schon wieder um eine Stunde länger dauern als noch zur Wintersonnwende. Na, da schauen wir am 2.2. alle auf die Uhr, wenn es dunkel wird. Wäre doch toll, wenn das stimmen würde.Misteln_Baumkrone

Die Rauhnächte neigen sich mit dem heutigen Dreikönigstag dem Ende zu, das alte Jahr ist abgeschlossen – es kann wieder losgehen. Zum Arbeitsbeginn spendieren uns die kahlen Bäumen einen freien Blick auf die grünen Kugelsterne, die scheinbar schwerelos in den jetzt kahlen Baumkronen schweben. Ich wohne offenbar in einer mistelreichen Gegend und frage mich immer wieder, wieso die Schmarotzerpflanzen (na gut, Halbschmarotzer) sich hier über einige Quadratkilometer hinweg so gut verbreiten konnten. Irgendwie scheinen der Laubholz-Mistel (Viscum album) das Klima und die Baumarten (Pappel, Linde, Obstbäume) gut zu gefallen.

Misteln_BaumreiheTannen-Misteln (Viscum abietis) oder Kiefern-Misteln (Viscum laxum) sind mir bislang noch nicht aufgefallen, aber in den immergrünen und meist auch höheren Wirtsbäumen lebt es sich auch versteckter. Ich nehme an, das vergleichsweise gehäufte Vorkommen hat was mit der hohen Luftfeuchtigkeit zu tun, die hier nebelbedingt oft herrscht. Und vielleicht gibt es hier einfach auch viele Misteldrosseln, die die Samen verbreiten? Möglich. Mal schauen, ob ich diesem Geheimnis irgendwann mal auf die Spur kommen kann.

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Nee, der heißt echt so!

Der Name klingt doch nach einer findigen Marketingkampagne zur Weihnachtszeit: Lebkuchenbaum. Bilder vom Schlaraffenland und dem nachwachsenden Rohstoff Lebkuchen sausen einem da durchs Hirn, verbunden mit dem einzigartigen würzigen Duft nach eben diesen. Branding at its best, könnte man meinen, aber erfunden hat’s keine Marketingagentur, sondern der Volksmund, der die Dinge einfach gern auf den Punkt bringt. Judasblattbaum heißt der gebürtige Asiate zwar auch, aber das klingt nicht so positiv, und Cercidiphyllum japonicum kann sich kein Mensch merken. Lebkuchenbaum ist definitiv eingängiger.

Die Pflanze stammt aus Japan und China und ist bei uns als Ziergehölz in Parks und Gärten zu finden. Sie wächst als Strauch oder Baum. Wilde Vorkommen stelle ich mir mit Herbstlaub echt hammermäßig vor, wenn schon eine Solitärpflanze in einem Park eine solche Strahlkraft hat. Allein dafür würde ich gern mal nach China reisen, wo es die Pflanze in Wäldern und an Bachläufen geben soll. Judasblattbaum

Sobald die herzförmigen Blätter zu welken beginnen und sich allmählich verfärben, verströmen sie einen markanten Duft nach Zuckerwatte und Karamell, vor allem bei feuchter Witterung. Nase steuert Gehirn und die Gedanken wandern automatisch in Richtung Christkindlsmarkt und Weihnachtszeit, auch bei 22°C im September. Da ensteht dann auch mal eine Weihnachtskarte im Herzblattdesign.

Etwas später habe ich einem Katalog kleine Weihnachtskärtchen mit Lebkuchenbaumsamen entdeckt und versuche jetzt, einen solchen duftenden Lichtblick für unseren eigenen Garten zu züchten. Mal sehen, was draus wird. Jedenfalls war das eine meiner spektakulärsten Pflanzenbekanntschaften 2013. Habt Ihr auch eine neue Herzenspflanze kennengelernt im vergangenen Jahr?

Euch allen frohe Weihnachten mit vielen Lebkuchen und anderen Leckereien, gefolgt von einem guten Start in ein neues Wildkräuter und -pflanzenjahr. Bis bald!

Zapfiges zum 3. Advent

Wieso gehen Nadelbaumzapfen eigentlich auf und zu? Oder wieso gehen die überhaupt auf, sind die denn nicht sofort auf, wenn sie ausgewachsen sind? Ines‘ Kommentar zu meiner zapfigen Adventsdeko hat mich zum Nachdenken gebracht. Aber holla, die Waldfee – das Thema hat es in sich. Allein der Begriff „Zapfen“ wirft ja schon so viele Fragen auf – gibt es die jetzt nur bei Nadelbäumen oder doch auch bei Erlen, die wiederum Laubbäume sind? Ein umfangreiches Thema, aber wir sind hier nicht in der Bio-Stunde, deshalb beschränke ich mich jetzt einfach nur mal auf die Nadelbaumzapfen.Fichtenzapfen_geschlossenDer Zapfen ist eigentlich der weibliche Blütenstand, der nach der Befruchtung der Samen über einen Zeitraum von ungefähr zwei bis drei Jahren hinweg verholzt, reift und zu dem wird, was wir als Fichten-, Kiefern-, Wacholder-, Lärchenzapfen, usw. kennen. Rausfallen tun die Samen aber erst, wenn ihre Behausung sie freigibt und das tut die erst, wenn das Wetter erfolgversprechend für die Keimung ist.Fichtenzapfen_offenBei trockener Luft und warmen Temperaturen gehen die Außenschuppen langsam auf, weil sich das Holz zusammenzieht. Dann fallen die reifen Samen heraus und fliegen mit dem Wind davon. Bei feuchter Witterung dagegen bleibt die Tür zu und die Samen bleiben daheim. Das Ganze passiert übrigens in luftiger Höhe, wenn die Zapfen noch am Baum hängen. Die fallen eigentlich erst runter, wenn alles vorbei ist, aber meiner Erfahrung nach sind auch dann immer noch jede Menge Samen unter den Schuppen versteckt. So haben sich ja nach dem letzten Winter auch die Mini-Fichten in meinem Blumenkasten angesiedelt.

Dieses Phänomen kann man gut an der Adventsdekoration draußen beobachten. Wetter warm und sonnig: Die Zapfenschuppen gehen auf und der Zapfen plustert sich auf. Wetter feucht und kühl: Zapfenschuppen schließen sich und der Zapfen bleibt glatt und schlank. Zwei Fliegen mit einer Klappe, denn so fungiert die Adventsdeko gleichzeitig als natürliche kleine Wetterstation.

Falls die Sammelaktion im Advent zu reichlich ausgefallen ist, könnt Ihr aus geöffneten Zapfen ganz leicht Meisenfutterstangen herstellen. Das ist eine schöne Bastelei mit Kindern und ein nettes Mitbringsel zum Adventskaffee. Dazu braucht man geschmolzenen Rindertalg oder Pflanzenfett sowie eine Mischung aus Haferflocken und zum Beispiel Sonnenblumenkernen, gehackten Erdnusskernen oder Rosinen. Die Zapfen taucht man in das flüssige Fett, lässt sie abtropfen und wälzt sie dann in der Körnermischung. Das Ganze wird  im Kühlen schön fest und stabil. Ein bisschen Tannengrün hilft den Piepmätzen beim Festhalten, und ein paar Vogelbeeren oder Hagebutten sind ein hübscher Blickfang und ein leckeres Dessert. Alles mit einer Schnur festbinden, Schlaufe dran und ab in den Baum damit. Da freuen sich Gastgeber und die Vogelgäste im Garten gleichermaßen.Vogelfutterzapfen

Newtella

Für alle, die mein kochblog nicht kennen – ich habe diesmal dort über unsere letzte Eichelproduktion geschrieben. Das Rezept hatte mich einfach gereizt, die Eicheln haben wir noch gesammelt, bevor der Orkan zuschlug.

http://www.kochessenz.de/2013/11/newtella-schokocreme-aus-eicheln/

Ansonsten gibt es bei uns jetzt auch Muckefuck – dank Andreas Forschungen konnten wir Eichelkaffee herstellen! Da noch weitere Projekte in der Pipeline sind, kommt dazu sicher noch ein extra Beitrag 😉

Muckefuck

Nachwuchs bei der Weihnachtsdeko

Wildpflanzen wachsen bekanntlich überall, und für Hausbesitzer und Gärtner meistens – oder jedenfalls häufig – da, wo man sie überhaupt nicht haben möchte: In den Plattenfugen auf der Terrasse, zwischen den Steinen vor der Garage, inmitten der spärlich aufgehenden Möhrenpflänzchen, mittendrin im Oregano oder im Liebstöckl. Tja, die sind halt nicht so kultiviert und zurückhaltend wie die gemeine Salatpflanze oder besagte Möhre. Nö, wo Platz ist und der Untergrund auch nur annähernd passt, zack! – hier bin ich Wildpflanze, hier will ich sein. Ob das dem Platzbesitzer jetzt taugt oder nicht, ist doch sowas von schnurz. Er kann die Wildpflanzen ja essen, wenn er will. Wenn nicht, dann eben nicht. Noch dümmer für den Gartenbesitzer, wenn er sich den Wildwuchs selber zuzuschreiben hat. 😉 Nein, im Ernst, ich freu mich ja drüber und finde es irgendwie genial, dass sich meine Weihnachtsdekoration ohne mein Zutun fortgepflanzt hat. Die Fichtenzapfen hingen die längste Zeit schmückend über dem Rankgitter, bis ein Frühlingssturm sie Richtung Boden geweht hat. Dabei haben sich die Samen wohl Richtung Blumenkasten verteilt, und zwei sind aufgegangen. Jetzt habe ich Waldkinder im Blumenkasten.

Image

Ist doch nett. Die armen Kleinen haben schon versehentlich falsch abgestellte Blumentöpfe aufs Hirn bekommen (‚tschuldigung!), aber bis jetzt halten sie noch durch. Vielleicht können wir dann in ein paar Jahren „Oh Tannenbaum“ auf der Terrasse singen. 🙂

Stress im Waldkindergarten

Die Eichenkinder haben den Winter unter der Schneedecke verschlafen. Einige von ihnen hatten Eichhörnchen und Eichelhäher im Herbst ganz woandershin verschleppt, aber die meisten liegen noch unter dem Mutterbaum und träumen in ihrer festen Schale von den kommenden Zeiten, vom Frühling. Endlich, gegen Ende April, wird es wärmer und heller. Die Bäume tragen noch wenig oder gar kein frisches Laub und der Wind pustet die Decke aus Herbstlaub beiseite. So kommen die Sonnenstrahlen mühelos bis runter auf den Boden und kitzeln die runden Eichenkinder wach: „Aufwachen, ihr Herbstfrüchte! Zeit für den Start ins Leben!“ Das lassen sich die kleinen Eicheln nicht zweimal sagen, denn auf dieses Signal haben sie schon lange gewartet. Sie recken und strecken sich, bis die Schale endlich platzt und sie aus ihrer engen Umarmung entlässt.

Eichensämlinge

Freiheit! Endlich spüren sie Sonne, Wasser und Wärme ganz direkt am eigenen Leib. Ist das herrlich. Hier wollen sie bleiben, wachsen und groß werden. Aber oh je, das Eichhörnchen ist auch schon da und hat schon wieder Hunger. Neinneinnein, das kommt gar nicht in Frage – Wurzeln müssen her! Die Geschwister strengen sich an und treiben ihren ersten Keim in den Boden. Vor Anstrengung werden sie ganz rot und grün im Gesicht und sprengen dabei sogar ihren kleinen Körper in zwei Hälften. Die Schale fliegt davon. Der Keim wird länger und länger und sucht nach dem rettenden Waldboden. Zum Glück haben alle Keimlinge ihre eigene kleine Speisekammer dabei. Dass Wachsen aber auch so anstrengend sein kann!

Eichel_Keim

Jeder Tag zählt. Regengüsse gefolgt von Sonnenwärme erfrischen die kleinen Schwerstarbeiter, aber es muss trotzdem alles schnell gehen, weil die Gräser auch schon sprießen und den Eichenkindern wertvollen Platz wegzunehmen drohen. Die Kleinen stemmen ihre Keime in den Boden und bilden Wurzeln.  Hah, das Eichhörnchen wird sich wundern. Uns trägt hier keiner mehr weg.

Und sie schaffen es: Der Waldkindergarten unter der Eiche bleibt an Ort und Stelle. Soll das blöde Eichhörchen doch sehen, wo es was zu fressen findet. Beim Tauziehen würde es auf alle Fälle verlieren, so fest haben sich die Kleinen schon verankert. Und wehe, es knabbert in ein paar Wochen an den ersten grünen Trieben. Dann gibt’s von Mutter Eiche nämlich ordentlich eins auf die Mütze.