Archive for the ‘Gärten und Parks’ Category

Hackedicht

Buntspecht„Hackst du dicht am Stamm entlang, kommt noch jeder Käfer dran.“ Ein Spruch, der in keiner Spechtschule fehlen sollte! Das Hauptmotiv auf dem Foto ist leider ein klein wenig verwackelt – ein Specht in Aktion ist irgendwie ein undankbares Fotomodell. Pflanzen sind wesentlich leichter zu fotografieren …

Jedenfalls hackte sich der Buntspecht neulich Zentimeter für Zentimeter an der Felsenbirne hoch, immer auf der Suche nach Fressbarem. Dabei hatte er vorher minutenlang den Meisenknödel bearbeitet und reingehauen, was das Zeug hielt. Klar, dass da auch einiges runtergefallen ist, sehr zur Freude der kleineren Vögel, die der Grobian vom Futterplatz verdrängt hatte. Ich stelle mir gerade vor, wie die Spatzen unten am Boden hocken und ihn anfeuern: „Jo, Buntspecht, hau drauf!“, denn was unten liegt, braucht man schließlich nicht mehr aus dem runden Wackelteil im Geäst rauspicken. Wozu sich mehr Arbeit machen als unbedingt nötig? Spatzen sind nicht dumm. Der Buntspecht aber auch nicht, der kommt nämlich jeden Winter vorbei und schaut, ob’s was Kostenloses zu futtern gibt. Nebenbei säubert er die Bäume und Sträucher bei uns und in den Nachbargärtern und dezimiert die Krabbelviecher. Das nenne ich eine klassische Win-Win-Situation, die obendrein noch gute Laune macht, denn er ist ja schon ein Hübscher, der Buntspecht.

Nee, der heißt echt so!

Der Name klingt doch nach einer findigen Marketingkampagne zur Weihnachtszeit: Lebkuchenbaum. Bilder vom Schlaraffenland und dem nachwachsenden Rohstoff Lebkuchen sausen einem da durchs Hirn, verbunden mit dem einzigartigen würzigen Duft nach eben diesen. Branding at its best, könnte man meinen, aber erfunden hat’s keine Marketingagentur, sondern der Volksmund, der die Dinge einfach gern auf den Punkt bringt. Judasblattbaum heißt der gebürtige Asiate zwar auch, aber das klingt nicht so positiv, und Cercidiphyllum japonicum kann sich kein Mensch merken. Lebkuchenbaum ist definitiv eingängiger.

Die Pflanze stammt aus Japan und China und ist bei uns als Ziergehölz in Parks und Gärten zu finden. Sie wächst als Strauch oder Baum. Wilde Vorkommen stelle ich mir mit Herbstlaub echt hammermäßig vor, wenn schon eine Solitärpflanze in einem Park eine solche Strahlkraft hat. Allein dafür würde ich gern mal nach China reisen, wo es die Pflanze in Wäldern und an Bachläufen geben soll. Judasblattbaum

Sobald die herzförmigen Blätter zu welken beginnen und sich allmählich verfärben, verströmen sie einen markanten Duft nach Zuckerwatte und Karamell, vor allem bei feuchter Witterung. Nase steuert Gehirn und die Gedanken wandern automatisch in Richtung Christkindlsmarkt und Weihnachtszeit, auch bei 22°C im September. Da ensteht dann auch mal eine Weihnachtskarte im Herzblattdesign.

Etwas später habe ich einem Katalog kleine Weihnachtskärtchen mit Lebkuchenbaumsamen entdeckt und versuche jetzt, einen solchen duftenden Lichtblick für unseren eigenen Garten zu züchten. Mal sehen, was draus wird. Jedenfalls war das eine meiner spektakulärsten Pflanzenbekanntschaften 2013. Habt Ihr auch eine neue Herzenspflanze kennengelernt im vergangenen Jahr?

Euch allen frohe Weihnachten mit vielen Lebkuchen und anderen Leckereien, gefolgt von einem guten Start in ein neues Wildkräuter und -pflanzenjahr. Bis bald!

Späte Beute

Am letzten Sonntag, Spätherbst lag in der Luft, wollten wir noch einmal in den Kulturpark, von dem ich bereits berichtet habe. Nur wenige Wochen ist es her, dass ich dort war, nun sieht der Park schon wieder ganz anders aus. Besonders groß war unsere Freude, als die inzwischen abgefallenen Quitten sich als erstaunlich schlagfest erwiesen. Zwar schon mit Narben und einigen Flecken, waren sie vom Fruchtfleisch her jedoch noch fest und knackig. Schnell mal umgeschaut – darf man die mitnehmen? Man darf, wie wir später erfuhren, und ansonsten hätten wir uns auf Mundraub rausgeredet. 2 Kilo Quitten, das wird nun noch lecker Gelee, unerwartet, und eine schönze Ergänzung zu den Chili-Quitten, die Andrea bereits gemacht hat.

Späte Beute

Herbst im Kulturpark

Wenn man auf der B72 von Leer nach Aurich fährt, kommt man unweigerlich durch Mittegroßefehn. Kreuzung, Ampel, Tankstelle, Imbissbude, die üblichen Insignien von kleinen Orten an großen Straßen. Seit einiger Zeit fiel mir beim Durchfahren aus den Augenwinkeln etwas „Grünes“ auf, das da eigentlich nicht sein sollte. Das heißt, es soll schon da sein, aber es kam mir ungewöhnlich vor. Eine Art Park… ein Park? In Mittegroßefehn? Kann eigentlich nicht sein… Ich schob den Eindruck in die Schublade mit dem Etikett „Orte, die man sich mal ansehen sollte“ und dabei blieb es zunächst.

Kulturpark Mitte

Bei einem Abend mit Bekannten kamen wir dann auf das Thema. Einer unserer Gäste erzählte, dass es sich bei dem Gelände um den Kulturpark Mitte handelt, ein neues Projekt des örtlichen Leinerstifts, der sich mit Kinder-, Jugend- und Familienhilfe beschäftigt. Der Verein hat eine ehemalige Gärtnerei erworben und will das Grundstück nun als Ort für soziale Arbeit, Kommunikation, Bildung und Naturschutz sowie kulturelle und touristische Aktivitäten nutzen. Der bisherige Garten soll dabei weitgehend bestehen bleiben.

Heute ist es nun so weit. Bei prächtigem Herbstwetter, leider ziemlich verschnieft, mache ich mich auf den Weg nach Mittegroßefehn. Das Gelände streckt sich an der Bundestraße entlang. Man hört zwar den Verkehr deutlich, trotzdem ist man nach dem Betreten des Parks gleich in einer anderen Welt. Eine Vielzahl von kleinen Ecken, alten Bäumen, Buchshecken und angelegten und auch teilweise wieder verwilderten Beeten nimmt mich gefangen. Es ist schon später am Nachmittag, die Sonne steht schon tief und taucht alles in ein schönes Herbstnachmittagslicht. die gelben Blätter vieler Pflanzen leuchten. Alte Rhododendronbüsche, Hortensien, die langsam die Blüte aufgeben, hohe Bambusstauden, Rosen, gepfropfte Obstbäume, teilweise schon recht alt, zeugen von der ehemaligen Gärtnerei. Aber auch die Wildkräuter mischen mit -Nelkenwurz, Mädesüß, Springkraut fallen gleich ins Auge, sie wuchern hier, und natürlich die vielen kleinen bodennahen Pflanzen. Einige Bänke laden zum Verweilen ein, es ist schön hier. Zwischendurch kann man ganz ruhig werden.

Hier bin ich sicher nicht zum letzen Mal gewesen – seht selbst:
Fotos vom Kulturpark

Der Haferlandgarten

Wir weilen wieder einmal auf dem Darß, unserem Mecklenburgischen Urlaubsrefugium. Heute ist das Hotel Haferland an der Reihe, oder genauer gesagt, die Besichtigung des Hotelgartens. Wir haben davon in einer Beschreibung gelesen. 2 Hektar soll er groß sein, und das (Bio-)Restaurant des Hotels mit allen notwendigen Kräutern, Obst und weiteren Pflanzen versorgen.

Eigentlich ist es ein Garten für Hotelgäste, aber da wir gefragt haben, trauen wir uns dort hin. Nach einem kleinen und feinen Mittagsimbiss im Restaurant betreten wir den Garten hinter dem Hotel. Ein Plan (Achtung, große Bilddatei) gibt Auskunft über das Gelände. Tatsächlich, ziemlich groß, dieser Garten! Und bereits am Eingang wuchert uns die wilde Pracht entgegen. Labkraut, Natternkopf, Malve, Gilbweiderich, Johanniskraut, Karde, wilde Möhre, Mädesüß, Borretsch, Beinwell, alles blüht und wuchert, so dass wir ganz erschlagen sind vom ersten Eindruck. 

Hotelgarten

Rechts liegen die Hotelgebäude, davor der „Gourmetgarten“ mit Pflanzen, die anscheinend öfter in der Küche benötigt werden. Links ein kleines Backhaus mit Kräutergarten, daneben die große Wildblumenwiese, die gerade in voller Blüte steht.

Hotelgarten

Zwischendurch dann immer wieder versteckte Sitzplätze, mal in der Sonne, mal im Schatten der Obst- und Nussbäume, die hier im Garten gepflanzt sind. Weiter hinten findet sich links vor einem kleinen Erlenbruch der Obstgarten, mit allerlei Beeren und noch mehr Wildkräutern, teils in Beeten.

Hotelgarten

Hotelgarten

Auf der rechten Seite erstreckt sich der Garten noch weiter nach hinten. Zwei Teiche bieten wieder Abwechslung, sie sind gut bewachsen, so dass die Liegeplätze hier ziemlich abgeschieden sind.

Hotelgarten

Über einen Bohlenweg erreicht man ganz am Ende des Garten eine Feuchtwiese, die allerdings gerade gemäht wurde. Rundum ist ein Mulchpfad angelegt, über ihn kehren wir wieder in den vorderen Teil des Gartens zurück. Stundenlang könnten wir uns hier aufhalten! Wir planen das gleich schon ein, dass wir ja auch mal hier Urlaub machen könnten 😉 Direkt gegenüber liegt ein kleiner Hafen am Bodden, einen Schwimmplatz gibt es auch. Die Verpflegung ist hier im Biorestaurant ist auch gut, und im oberen Stockwerk gibt es auch noch ein vegetarisches Gourmetrestaurant, dass der Sohn des Hauses betreibt. Wir könnten also gut über die Runden kommen. Nur die etwas gehobeneren Zimmerpreise gebieten noch Zurückhaltung.

Hier ein paar Links für die, die mehr wissen wollen:
Seite vom Hotel Haferland
Seite des Gartenplaners mit Texten zum Garten

Hotelgarten

Wildkräuter und alte Kulturpflanzen im Garten / Teil 2

Im hinteren Gartenbereich wächst eine Pflanze in rauen Mengen, die Goldnessel, auch Gold-Taubnessel genannt. Ein Teil davon wird ein Stück zur Seite rücken müssen, um den beiden hier geplanten Hochbeeten Platz zu machen. Von der Goldnessel gibt es mehrere Arten und ich konnte noch nicht herausfinden, zu welcher unsere tatsächlich gehört. Sie hat teilweise silbrig gezeichnete Blätter wie die der silberblättrigen Taubnessel. Aber auch 5-8 Blüten, wie die Berg-Goldnessel. Die Endtmanns-Goldnessel scheidet klar aus wegen ihrer 8-14 Blüten. Und auch die blassgelbe Goldnessel kommt nicht in Frage, meine sind leuchtend gelb.

Goldnesseln im Garten

Vielleicht ist es doch die gewöhnliche Goldnessel. Aber dann dürfte sie nicht diese weiß-silbrige Zeichnung haben, denn die hat die gewöhnliche nur ganz schwach im Winter. Die Flecken kommen übrigens daher, das sich die Blattoberhaut vom Blattgewebe trennt und eine Luftschicht entsteht, die das Licht vollständig reflektiert.

Ach egal. Ich gebe mich einfach damit zufrieden, dass es eine Goldnessel ist und freue mich darüber, dass sie eine wichtige Pflanze für Hummeln und Schmetterlinge ist. Diese kommen mit ihren langen Rüsseln leicht an den Nektar am Boden der Kronröhre heran. Die Bienen haben da Schwierigkeiten, da ihr Rüssel kürzer ist. Manchmal wenden sie aber einen Trick an, um den Nektar zu rauben. Sie beißen einfach seitlich unten ein Loch in die Kronröhre.

Was mir nicht gefällt ist, dass meine Goldnesseln voller Ameisen sind. Doch bei meiner Recherche stellt sich heraus, das das im Sinn der Natur ist, denn sie verbreiten den Samen. Na gut. Auf jeden Fall wird die Goldnessel in unserem Garten bleiben dürfen, da ich es schon als Kind geliebt habe, den süßen Nektar aus dem Blütenboden zu saugen. Was mich bei genauerem Nachdenken wohl auch zum Räuber macht, wie die Bienen.

Und zum guten Schluß habe ich noch das hier entdeckt, im heiteren Herbarium von Karl Heinrich Waggerl:

Am Straßenrand, bedeckt mit Staub,
steht eine Nessel, die ist Taub.
Sie blüht bei Sonnenschein und Frost,
mühselig, aber doch getrost.
Dereinst am Tage des Gerichts
(sie hört von den Posaunen nichts)
wird Gott sie in den siebten Himmel bringen.
Dort hört sie dann die Engel singen.

Wildkräuter und alte Kulturpflanzen im Garten / Teil 1

Ganz so blühend wie in Doris‘ Heimat ist es bei uns im Norden noch nicht. Doch auch hier wird es immer grüner.
Die Gräben leuchten gelb vom Scharbockskraut, die Wälle sind bedeckt von den hellgrünen jungen Gierschblättern und auch im eigenen Garten sind die Wildkräuter bereits aktiv.
Noch während der Umzugstage ins neue Haus habe ich einen ersten Streifzug über das Grundstück unternommen um zu sehen, welche Wilden denn bei uns wachsen.

Wildes im Garten

Hinten am Wall gibt es Scharbockskraut und Giersch, eine wilde Himbeere und ein wenig Vogelmiere. Ich nehme gleich von allem ein paar Blättchen mit. Vom Scharbockskraut nur wenig, da es bereits blüht und somit der Gehalt an Protoanemonin gestiegen ist. Protoanemonin ist ein Toxin, das in allen Hahnenfußgewächsen vorkommt, in geringen Dosen aber als unbedenklich gilt.
Unter der Hecke zur Nachbarin auf der linken Seite finden sich ein paar Brennnesseln. Zum Ernten fast zu wenig. Nie hätte ich gedacht, das ich mir einmal Gedanken machen würde, zu wenige Brennesseln im Garten zu haben 😉 Aber inzwischen nutze ich sie so gern für Tee, geröstet in der Pfanne oder im Backofen als Chips, als Spinat zusammen mit Giersch und für vieles mehr. Da sind so ein paar Pflänzchen schnell abgeerntet.

Auf der Wiese finden sich noch ein paar Blättchen vom Gänseblümchen und junger Löwenzahn.

Mein Körbchen ist voll und alles zusammen wird jetzt zerkleinert, mit Olivenöl, gerösteten Pinienkernen, Salz und etwas geriebenem Parmesan vermischt und ergibt ein leckeres Pesto für das Mittagessen.
Und wen es interessiert, was noch so alles wachsen wird im neuen Garten ist herzlich eingeladen zu Teil 2, Teil 3, …