Freilaufende Topfpflanze gesichtet!

Mit der Herkunft von Topfpflanzen geht es mir machmal so wie Kindern, die man fragt, wo denn eigentlich die Milch her kommt. Wie, ursprüngliche Heimat – ist das nicht das Gartencenter? Da stehen doch immer haufenweise Orchideen, Weihnachtssterne und Alpenveilchen zu Schnäppchenpreisen rum, mit denen schlaue Züchter ein Heidengeld verdienen, weil nur Fensterbankgärtner mit extrem grünem Daumen die Pflanzen über mehr als eine Saison bringen.Alpenveilchen_Laden

Schon möglich, aber da stellt sich doch die Frage, wieso das Alpenveilchen nicht Gartencenterveilchen heißt. Ganz einfach, weil es tatsächlich aus den Alpen kommt. Neulich war ich im Berchtesgadener Land unterwegs, in den Bergen wäre jetzt zuviel gesagt, aber landschaftlich doch schon alpin (sprich, es ging steil bergauf). Am Waldrand fielen mir Blätter auf, die mir bekannt vorkamen – von der Fensterbank her. Ich bin ein bisschen in die Böschung reingekrabbelt und siehe da, da war es: Ein waschechtes bayerisches Alpenveilchen mit einer zartlila Blüte und den typisch gemusterten Blättern.

Alpenveilchen_Wald

Entdeckerfreude machte sich breit, dabei ist das Europäische Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens) hier alles andere als selten, wie mir eine andere Spaziergängerin später bestätigte; man fände es häufig an Hanglagen und Waldrandböschungen. Ich hatte bis dahin vermutlich einfach nur nicht richtig drauf geachtet.Für die Einheimischen mag das alles nichts Besonderes sein, aber ich habe mich gefreut wie das sprichwörtliche Schnitzel. Irgendwie ist es was Besonderes, den wilden Verwandten vom handzahmen Fensterbankvertreter zu treffen.

Die meisten Alpenveilchen-Arten kommen übrigens im Mittelmeerraum vor und die bekannte Variante für die Fensterbank ist das Persische Alpenveilchen (Cyclamen persicum). Davon gibt es inzwischen vermutlich so viele Kreuzungen, dass man gar nicht mehr weiß, wie die Pflanze eigentlich ursprünglich aussieht. Die meisten Alpenveilchen vertragen keinen Frost, doch es gibt winterharte Sorten, die man im Herbstgarten oder auch zur Grabbepflanzung nutzt. Ich würde da lieber immer genau nachfragen und den geplanten Standort überlegen. Nicht, dass sich die Gartencenter noch mehr goldene Nasen verdienen. 😉

Auch Wildkräuter können rotieren … Samenrotation 2013

Wenn Euch beim Aufräumen im Garten Samen von interessanten Wildkräutern in die Hände fallen, werft sie nicht auf den Kompost. Nein, tütet sie ein, beschriftet das Tütchen und macht mit bei der Samenrotation 2013. Dann landen sie bestimmt bei bestimmt bei Gärtnerinnen und Gärtnern, die noch Zuwachs für die Wildecke auf ihrer Scholle suchen. Und das Beste: Ihr bekommt tolle Samen zurück für Euren eigenen Garten! Warnung: Der Hibbelfaktor ist riesengroß, die Spannung fast unerträglich, aber die Aktion macht unheimlich viel Spaß und man trifft gleichgesinnte Pflanzenfans.

Die Details findet Ihr bei Claudia vom Kräuterklatsch-Blog oder direkt bei Marcel vom Balkongarten-Blog, der die Aktion in diesem Jahr organisiert. Viel Spaß beim Rotieren! 🙂

Kinderkram macht Spaß!

Die Fallzeiten der Kastanie sind offenbar regional recht unterschiedlich, aber wenn Ihr noch welche findet, macht Euch doch den Spaß und bastelt drauflos, zusammen mit den Kindern oder auch allein. Eure Kinder gucken vielleicht ein wenig verständnislos, aber … so what?

Kastanien_in_Schale

Oder wann habt Ihr das letzte Mal Kastanienmännchen gebastelt? Bei mir war es schon eine Weile her. Ich war erstaunt, wieviel Übung und Finesse man braucht, damit die Kerlchen keine Fallsucht bekommen. Hatte ich gar nicht mehr so in Erinnerung.

Kastanienmännchen

Die kleine Bastelei macht echt Laune und es ist ein sinnliches Erlebnis, die glatten Kastanien in den Hände zu drehen, anzuschauen und den richtigen Winkel zu ertasten, an dem man ein Loch bohren kann. Bucheckern gab es auch gerade, die passten genau für die Hände. Am liebsten hätte ich den Männchen noch ein Bucheckernhütchen aufgesetzt, aber der Kleber hat versagt. Damit bleibt alles „en nature“ und völlig unverfälscht, bis auf die Streichhölzer. Wenn die Kastanien trocken werden, muss man ab und zu nachjustieren, damit die Arme und Beine weiter fest im Rumpf steckenbleiben. Nichts für die Ewigkeit, aber eine lustige Begleitung durch den goldenen Oktober.

Kastanienparade

Meine Manschkerlparade wünscht Euch eine gute Woche und viel Freude bei der einen oder anderen Herbstkreativität.

Zeitlose Versuchung

Herbstzeitlose_Pferd

Hey, halt, stopp! Die kleinen lila Dinger da vorn nur angucken, nicht fressen! Pferde sind ja nicht blöd, aber was weiss denn ich, ob das hier seine Hausaufgaben in der Kräuterschule auch wirklich gemacht hatte und wissen würde, dass die zartlila Versuchung alles andere als gesunde Grünkost sein würde.

Herbstzeitlose_Pferd_nah

Wie so oft im Leben war die Sorge unbegründet. Der große Blonde hatte den richtigen Riecher und hörte auf die instinktive Warnung, an den hübschen Blüten vorbei zu fressen, denn alles, aber auch ausnahmslos alles an der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) ist und bleibt giftig, auch im Heu. Weidetiere sterben meines Wissens relativ selten an Giftpflanzen, aber es passiert doch immer wieder mal. Im Herbst wird es aber auch tückisch – da steht sowieso nicht mehr viel Fressbares auf den Weiden und schwupps!, hat das hungrige Maul versehentlich eine Giftpflanze erwischt. Ihr Rinder, Pferde, Schafe, Ziegen und sonstige Grasfresser da draussen: Immer Augen und Nase auf beim Grasen, nicht einfach blind rein mampfen! Das gilt auch im Frühjahr und Sommer, wenn die Blätter und Fruchtkapseln der Herbstzeitlosen erscheinen. Im Herbst stellt die „Nackte Jungfer“ nämlich nur ihre betörende Blütenpracht zur Schau, an der man sie wenigstens eindeutig erkennen kann, aber im Frühling ist das eine ganz andere Geschichte. Also: Aufpassööön!

Der lila Giftzwerg kam im Mittelalter als Zierpflanze aus Westasien zu uns und zeigt seitdem idealerweise im Garten das Sommerende und den frühen Herbstbeginn an. In Wiesen und Weiden sehen die Bauern ihn aus verständlichen Gründen nicht gern, doch andererseits spricht sein Erschienen auch Bände über den Boden: Der ist meistens gut feucht und auch ohne künstlichen oder organischen Dünger recht nährstoffreich. Hat man heutzutage auch nicht mehr so oft, und drum findet man die auffällige Pflanze auch nicht überall. In manchen Bundesländern hat sie zumindest schon auf der Roten Liste gestanden oder tut es immer noch. In Norddeutschland kommt die Herbstzeitlose gar nicht vor, glaube ich, aber das können die Nordlichter unter den Lesern sicher noch bestätigen oder dementieren.

Herbstzeitlose

Wieso ist die Herbstzeitlose denn nun so gefährlich? Das reichlich enthaltene Colchicin ist je nach Menge ein absolutes Problem für Mensch und Tier. Die Gärtner werden jetzt allerdings mit den Zähnen knirschen, denn Schnecken macht das Alkaloid überhaupt nichts aus. Ironie des Schicksals? Vielleicht, aber vermutlich einfach ein Trick der Natur, damit die Schleimer im Herbst auch was zu fressen haben. Spaß beiseite, man sollte wirklich aufpassen, vor allem, wenn Kinder die Blüten pflücken und sich danach mit ungewaschenen Händen etwas zu essen nehmen sollten. Die durch Zellschädigungen hervorgerufenen Vergiftungserscheinungen wie Schluckbeschwerden, Brennen im Mundraum, Erbrechen, usw. machen sich erst nach einigen Stunden bemerkbar. Nicht warten, sondern sofort ins Krankenhaus! Im Frühjahr besteht beim Bärlauchsammeln eine gewisse Verwechslungsgefahr mit den Blättern der Herbstzeitlosen; eigentlich sind die Standorte der beiden Pflanzen aber so verschieden, dass sie kaum zusammen auftreten dürften. Wie auch immer, Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste: Zusammen mit den Blättern erscheint die Fruchtkapsel, die an die einer Tulpe erinnert. Und wenn man sich unsicher ist, sollte man sowieso immer die Finger von einem Wildkraut lassen, eh klar.

*Das letzte Foto ist übrigens am Rand der Streuwiese entstanden, von der ich Euch neulich erzählt habe. Ihr seht, die ist gar nicht so tot, wie sie ausgesehen hat. :-)*

**Sorry wegen den mehrfachen Änderungen, aber WordPress  wollte mir die Macht seines Eigenlebens demonstrieren. ;-)**

Verstreut und gar nicht brach

Was ist das denn?! Eine Brachfläche, mitten im saftigen Grün? Hatte der Bauer keinen Bock zum Mähen oder was?

Streuwiese

Ja und nein. 😉 Es handelt sich um eine Streuwiese, die da so vertrocknet und – völlig untypisch – ungemäht mitten in den kurzgeschorenen Wiesen steht. Genau betrachtet ist es ein Relikt aus vergangenen Zeiten, als die Landwirtschaft noch nicht so intensiv und raumgreifend war. Früher war es ganz normal, dass bestimmte Flächen nicht gemäht wurden, weil die Wiesen nass, sauer und für Maschinen schwer zugänglich waren. Das Vieh mochte die harten Gräser nicht, die natürlich auch kein gutes Heu ergeben hätten. Doch auch damals musste das Vieh im Winter trocken in den Stallungen stehen, nur wurde Getreide wurde noch nicht im großen Stil angebaut, weshalb es auch weniger Stroh gab als heute. Gewusst wie: Man mähte die sauren Wiesen mit den harten Gräsern und Schilfpflanzen erst im Herbst und nutzte die Mahd als Einstreu. Daher der Name „Streuwiese“, wie ich heute gelernt habe. Ich dachte immer, die heißen so, weil die Pflanzen vor dem Mähen absamen und die Samen verstreuen können. Ich bin nie wirklich auf die Idee gekommen, dass diese Flächen letztendlich auch Nutzflächen waren und das in Süddeutschland sogar bis in die 60er Jahre hinein.

Streuwiese_InfotafelHeute werden Streuwiesen meistens von Naturschutzverbänden gepflegt oder zumindest finanziert. Engagierte Menschen erhalten damit  Lebensräume für Pflanzen und Tiere, die in unserer „normalen“ Kulturlandschaft mit bis zu drei oder vier Mahden pro Jahr nicht überleben können. Spätblüher wie zum Beispiel verschiedene Knabenkräuter (Orchideen!) brauchen solche Standorte, weil sie sich sonst nicht vermehren können. Brachvogel, Kiebitz und viele Schmetterlingsarten trifft man kaum noch an, aber in den Streuwiesen finden sie Schutz und Nahrung für ihre Nachkommenschaft. Im Herbst sieht das Ganze etwas tot aus, ist es aber nicht: Die Samen fürs nächste Jahr liegen schon im  dem Boden, ebenso wie viele verpuppte Raupen.

Viele ehemalige Streuwiesen sind  in der Vergangenheit drainiert worden und heute nicht mehr als solche zu erkennen. Die Zeit kann man nicht mehr zurückdrehen, aber es ist gut, dass sie in manchen Landschaften ein bisschen stehenbleiben darf.

Wickelfruchtstrauß

Nachdem Martin uns hier neulich die Augen für die Fruchtstände des Mädesüß geöffnet hat, habe ich beim letzten Spaziergang genauer aufgepasst und nach Wickelfrüchten Ausschau gehalten.  🙂 Die Dinger sind ziemlich klein, machen in der Masse aber ordentlich was her und sind mitnichten nur einfach grün – da gibt es ganz tolle Farbschattierungen über Grün, Braun, Rötlich-Violett. Richtig dekorativ ist das und ein kleiner Farbklecks an den Wiesen, jetzt, wo es kaum noch Blüten gibt. Ein paar Stengel mussten mit, da konnte ich nicht dran vorbeigehen. Ich habe sie mit einem Blutweiderich, einem Pfaffenhütchenzweig und ein paar letzten Gartenblüten zu einem kleinen Herbststrauß kombiniert.
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Der Herbst ist noch jung …

Tarnkappentaktik

Was wird das denn, wenn es fertig ist?! Da hat sich doch über den Sommer zwischen Funkie und Pfingstrose ganz  heimlich, still und leise eine ziemlich große Blattrosette mit weichen, behaarten Blättern entwickelt. Das sieht nach einer zweijährigen Pflanze aus, die hier in Ruhe weiter wachsen möchte.Rosette_getarnt

Wie gut, dass ich so selten zum Unkrautjäten komme. Ich weiß zwar noch nicht ganz genau, was mir dann entgangen wäre, tippe (hoffe!) aber auf eine Königskerze. Meine Nachbarin hatte vor zwei Jahren auch eine, die von irgendwoher angeflogen war. Angesät habe ich die meiner Erinnerung nach nicht, also gar nicht so unwahrscheinlich.

Royaler Besuch in meinem Garten, das wäre eine Ehre. Vielleicht liege ich aber völlig falsch. Ich bin jedenfalls gespannt, was mir da nächstes Jahr blüht.Königskerze_Rosette

Geschmackskaliber und Spätsommer

Man muss sich steigern können. Die Temperaturen sollen es auch wieder tun, morgen oder übermorgen, sagt jedenfalls der Wetterbericht. Gefühlt war er wie immer von heute auf morgen da, der Spätsommer, aber so war es ja nicht. Es war ein schleichender Prozess und wenn man ehrlich ist, war seine Ankunft schon Tage vorher spürbar. Aber so was verdrängt man halt gern, denn auch wenn die Sommerhitze fast schon etwas genervt hat, will man eigentlich doch, dass der Sommer nicht endet.Brombeergelee_2013

Der Spätsommer hat aber auch was Gutes neben der Tatsache, dass das Licht weicher wird und die Temperaturen erträglicher sind. Schließt die Augen und lasst Euch den Satz auf der Zunge zergehen: „Die Brombeeren werden reif.“ Herrlich. Wie gesagt, man muss sich steigern können und nachdem  meine Brombeerpflückaktion im letzten Jahr mehr als bescheidene Ergebnisse gebracht hatte, bin ich am Wochenende hochmotiviert in vielversprecherende Gefilde aufgebrochen. Dieses Jahr gibt es bei uns viele Brombeeren. Viele kleine Brombeeren, um genau zu sein, die zu pflücken fast schon was Meditatives hätte, wenn da nicht die Stacheln und das unwegsame Gelände wären. Da braucht man schon ein bisschen Durchhaltevermögen! Die Ausbeute waren 800 ml Saft, die ich zu Brombeergelee verkocht habe. „Das ist echt ein anderes Kaliber.“ meinte mein Mann nach dem ersten Geschmackstest. So ein Brombeeraroma ist nun mal unvergleich. Wie steht es bei Euch dieses Jahr, pflückt Ihr auch Brombeeren oder andere Waldfrüchte?

Übrigens registrieren nicht nur wir die Ankunft des Spätsommers. Katzen und Kater schlafen nachts manchmal wieder zuhause im Warmen, und die Schwalben treffen sich seit Tagen zur Teambildung und Lagebesprechung. „Also, wie war das noch mal da mit dem Afrika? Ach so, echt, die Straße runter, links und dann immer geradeaus? Hm, hatte ich irgendwie anders in Erinnerung. Hey, hat einer von Euch ein aktuelles Navi-Update? Nee? Na gut, okay, dann treffen wir uns morgen noch mal und reden weiter.“ So schauts aus. Bon voyage.Schwalbenversammlung

Codewort: Pimp my Kräuterbuschen!

Was ist denn Eurer Meinung nach das absolut Blödeste, was einer Kräuterpädagogin vor einer Veranstaltung passieren kann, bei der jeder Teilnehmer einen Kräuterstrauß zu Maria Himmelfahrt mit nach Hause nehmen soll? Na? Ganz einfach: Die Anmeldeliste ist voll, das Wetter ist super … und die Wiesen und Wegränder sind frisch gemäht. Sehr frisch, nämlich erst vor ein oder zwei Tagen, und was nicht abgemäht wurde, ist in den letzten Tagen vertrocknet. Super-GAU, denn der Veranstaltungsort im Münchner Randgebiet ist per Internet und Druckwerk kommuniziert und örtliches Ausweichen unmöglich, weil der Treffpunkt an der S-Bahn liegt. Endzeitstimmung. Alles weg. Und jetzt? Ganz einfach: Nicht lange fackeln, sondern einen Rundruf unter den Teilnehmern starten: Wer kann was mitbringen für die Aktion „Pimp my Kräuterbuschen“, ob aus dem Garten oder der Wildnis, völlig egal. Je mehr Frauenkräuter, desto besser, und Blühendes wäre auch schön.

Gartenbeete voll mit Heilpflanzen sind ja nun praktisch, aber voll unsportlich und überhaupt, Ringelblumen oder die üblichen Duftkräuter wie Melisse und Salbei sind doch irgendwie nicht „wild“ genug. Also bin ich am Dienstagabend kurz vor der Dämmerung noch los gezogen auf Entdeckungstour nach passenden Wildkräutern, bewaffnet mit einer Blumenschere, aber dummerweise ohne einen Korb oder ein anderes Transportmittel. Eigentlich wollte ich nur ein paar Goldruten schneiden, aber dann … erinnert Ihr Euch noch an das Gefühl als Kind, beim Blumenpflücken?

Kräuterstrauss_XXL

Der Strauß konnte gar nicht dick genug sein und man war erst zufrieden, wenn die Hände ihn kaum noch fassen konnten. War doch so, oder? So ging es mir, als ich nach einer Stunde schwer bepackt und mit offenem Schuhband wieder daheim ankam: Goldruten, Springkraut, Blutweiderich, Rossminze, Kratzdistel, Wilde Möhre, Schafgarbe, Wasserdost und dazu noch einige mir unbekannte Pflanzen – ein Kräuterbuschen XXL, mein riesigster Wildblumenstrauß seit Jahrzehnten. Im Gegensatz zu Sieglinde hatte ich dann eine ziemlich entspannte Nacht, glaube ich. 😉

Ihre Sorge war übrigens völlig unbegründet, denn der S-Bahnhof in Neubiberg und der Randstreifen entlang der Gleise erwiesen sich als eine wahre Fundgrube. Kaum zu glauben, was da alles wächst: Wilder Dost, Seifenkraut, Kletten, Malven, Steinklee, Brennesseln, Johanniskraut, Odermenning, Schachtelhalm, Wegwarte, Nachtkerze, um nur ein paar der Schätze zu nennen, die wir gefunden haben. Sieglinde kam aus dem Erklären gar nicht mehr heraus: Was ist dies, was ist das, ist es heilkräftig, wie wirkt es, wie schmeckt es.

Da hätte es meinen Kräutereimer und die Mitbringsel der anderen Teilnehmerinnen eigentlich gar nicht mehr gebraucht, aber nach der kleinen Wanderung konnte jeder seinen Strauß nach Gusto ergänzen und zufrieden nach Hause gehen mit einem persönlichen Kräuterbuschen für Tees, Tinkturen oder Räucherwerk. Traditionell begleitet er Familie und Haushalt für die kommenden 12 Monate; kichlicher Segen kann heutzutage, muss aber nicht. Und wie unser lokaler Veranstaltungskalender zeigt, ist das Kräuterbuschenbinden eine feste Größe im Jahresablauf.

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Mein Strauß trocknet gerade. Er folgt keinen strengen traditionellen Gesichtspunkten, was die enthaltenen Pflanzen und ihre Anzahl angeht, sondern ist einfach nur „meiner“.  Ich bin gespannt, ob ich alle Kräuter auch im trockenen Zustand wiedererkenne. Schnuppern, schmecken, anfassen – wird schon klappen,  heilkräftig sind sie schließlich alle.

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Sieglinde Schuster-Hiebl bietet übrigens viele interessante Veranstaltungen in und um München an. Einen Teil ihres aktuellen Programms findet Ihr hier. Wer sich genauer über den Brauch der Kräutersträuße zu Maria Himmelfahrt informieren möchte, findet im Internet viel Wissenswertes und Interessantes. In der gerade noch aktuellen Land Idee steht auch ein schön bebilderter Artikel zum Thema.

Buch-, äh, Büchleintipp für Wildkräuterfreunde

Blogs sind eine prima Sache: Meistens schnell gelesen, mit hübschen Fotos und interessantem, informativem oder auch „nur“ unterhaltsamem Inhalt. Aber ab und zu möchte man doch was Handfestes in Händen halten und einfach nur entspannt durch ein Druckwerk blättern anstatt hektisch zu scrollen. Und wer möchte schon mit dem Tablet in der Hand durch eine Wiese laufen und Wildkräuter bestimmen? Also, ich jedenfalls nicht.

Deshalb möchte ich Euch heute das Büchlein „Die heilsame Wiese“ von Karin Greiner ans Herz legen. Die Biologin und Pflanzenexpertin beschreibt darin die Wild- und Heilkräuter Bibernelle, Frauenmantel, Gänseblümchen, Gänsefingerkraut, Gundermann, Löwenzahn, Mädesüß, Schafgarbe und Spitzwegerich auf ihre ganz persönliche und unnachahmliche Weise, nämlich sehr flüssig lesbar und charmant, dabei gleichzeitig gespickt mit Sachverstand, Hintergrundwissen und Anwendungstipps. Das Ganze wird abgerundet durch detailgetreue Fotos mit hohem Wiedererkennungswert und ein sehr ansprechendes Layout, wie ich finde. Die liebe Renate Blaes hat mal wieder ganze Arbeit geleistet (Kompliment, Renate!).

Kurzum: 88 Seiten prallvoll mit Informationen über Wiesenheilkräuter und wie man sie auch heute noch nutzen kann, sei es in köstlichen Gerichten oder heilsamen Tinkturen oder Wässerchen. Das ist mein Lesetipp für Euren Wildkräutersommer, den ich hier ganz freiwillig und völlig provisionsfrei einstelle. 😉

Fotos und Bestellinfos gibt es hier auf dem Pflanzenlust-Blog von Karin Greiner.